Passato Remoto Italienisch: Bildung, Gebrauch und Nord-Süd-Unterschied

Kurz gesagt: Das passato remoto italiano ist eine Vergangenheitsform, die abgeschlossene Handlungen ohne Bezug zur Gegenwart beschreibt. Regelmaessige Verben bilden es mit festen Endungen (parlai, credei/credetti, partii), waehrend viele haeufige Verben unregelmaessige Staemme haben (fui, feci, venni, ebbi). Das passato remoto italiano ist vor allem in Sueditalien und in der Schriftsprache (Literatur, Zeitungen, Geschichte) verbreitet. Im Norden, besonders in Mailand und Turin, benutzen Sprecher im Alltag fast immer das Passato Prossimo. Wer italienische Romane liest oder Geschichte studiert, begegnet dem passato remoto auf jeder Seite.

In diesem Artikel lernst du alles über Passato Remoto Italienisch.

Was du in dieser Lektion lernst

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Links zu den Abschnitten



In diesem Artikel lernst du alles über Passato Remoto Italienisch.


Einleitung: Eine Begegnung mit dem passato remoto
Un incontro con il passato remoto italiano

Hannah sitzt an einem Samstagvormittag in ihrer Wohnung in Berlin und liest einen italienischen Roman. Sie hat Italienisch seit einem Jahr gelernt, kennt das Passato Prossimo gut, kann das Imperfetto einigermassen einschaetzen, und trotzdem stoesst sie auf Seite drei auf eine Verbform, die sie nicht einordnen kann: partii. Dann: arrivammo. Und wenige Zeilen spaeter: fu, disse, vennero. Sie blickt in ihr Woerterbuch, findet nichts Passendes unter den Infinitiven, und fragt sich, ob das vielleicht Druckfehler sind. Lies auch unsere Artikel über Passato Remoto unregelmäßig und Passato Remoto vs. Passato Prossimo.

Keine Druckfehler. Was Hannah da liest, ist das passato remoto italiano, eine der faszinierendsten und am haeufigsten missverstandenen Verbformen der italienischen Grammatik. Faszinierend, weil dahinter eine sociolinguistische Geschichte steckt, die das ganze Land in zwei Haelften teilt. Missverstaendlich, weil deutsche Lernende oft nicht wissen, wo dieses Tempus eigentlich hingehoert.

Il passato remoto e‘ un tempo verbale che descrive azioni passate e concluse, senza alcun legame con il presente. E‘ il tempo dei romanzi storici, dei giornali che raccontano avvenimenti lontani, dei libri di storia. Capirne la formazione e l’uso e‘ necessario per chi vuole leggere l’italiano autentico.

In dieser Lektion schauen wir uns Schritt fuer Schritt an, wie das passato remoto italiano gebildet wird, welche Verben unregelmaessig sind, wann man es benutzt und nicht benutzt, und warum ein Roemerin dieselbe Frage mit dem Passato Remoto beantwortet, die eine Mailaenderin im Passato Prossimo stellen wuerde. Am Ende wirst du Hannahs Roman verstehen.


🧑🏻‍🎓: Passato Remoto Italienisch

Bildung: Regelmaessige Verben im passato remoto italiano
Formazione dei verbi regolari


Das passato remoto italiano wird direkt vom Infinitiv-Stamm gebildet. Kein Hilfsverb, keine Partizipform, alles in einem Wort. Das ist eigentlich eine Erleichterung gegenueber dem Passato Prossimo, wo man sich noch ueberlegen muss, ob essere oder avere hilft. Beim Passato Remoto haengt man die Personalendungen direkt an den Stamm.

Questo tempo si forma direttamente dalla radice del verbo, senza ausiliare. Basta togliere la desinenza dell’infinito (-are, -ere, -ire) e aggiungere le terminazioni personali.

Beginnen wir mit den drei Konjugationsgruppen:

1. Gruppe: -ARE-Verben (parlare, arrivare, camminare…)

PersonaparlareDeutsch
ioparl-aiich sprach
tuparl-astidu sprachst
lui / leiparl-o‘er/sie sprach
noiparl-ammowir sprachen
voiparl-asteihr spracht
loroparl-aronosie sprachen

Merke dir: Bei -are-Verben traegt die 3. Person Singular immer einen Akzent: parlo‘. Das unterscheidet sie vom Presente (parla). Dieser Akzent ist im geschriebenen Italienisch wichtig und soll nie fehlen.

Attenzione: la terza persona singolare porta sempre l’accento tonico: parlo‘. Senza accento, si potrebbe confondere con il presente. Nei testi scritti, l’accento e‘ obbligatorio.

2. Gruppe: -ERE-Verben (credere, prendere, vedere…)

Hier gibt es eine Besonderheit: Die 1. Person Singular, die 3. Person Singular und die 3. Person Plural haben zwei akzeptable Formen. In der Praxis, vor allem in Texten, sieht man beide Varianten.

Personacredere (Variante 1)credere (Variante 2)Deutsch
iocred-eicred-ettiich glaubte
tucred-esticred-estidu glaubtest
lui / leicred-e‘cred-etteer/sie glaubte
noicred-emmocred-emmowir glaubten
voicred-estecred-esteihr glaubtet
lorocred-eronocred-etterosie glaubten

Die -tti/-tte/-ttero-Formen klingen in literarischen Texten etwas gewaehlter. Im modernen Schriftgebrauch sind beide Varianten korrekt.

3. Gruppe: -IRE-Verben (partire, dormire, sentire…)

PersonapartireDeutsch
iopart-iiich reiste ab
tupart-istidu reistest ab
lui / leipart-i‘er/sie reiste ab
noipart-immowir reisten ab
voipart-isteihr reistet ab
loropart-ironosie reisten ab

Un piccolo promemoria per i verbi in -ire: la prima persona singolare termina in -ii (con due i). E‘ un dettaglio grafico che all’inizio sorprende, ma si spiega facilmente: la radice finisce in -i (part-i-) e la desinenza inizia per -i. Quindi: part + i + i = partii.

Wenn du dir die drei Gruppen anschaust, faellt auf, dass die 2. Person Singular immer auf -asti, -esti, -isti endet und die 1. Person Plural immer auf -ammo, -emmo, -immo. Diese Formen sind fuer alle regelmaessigen Verben stabil und dienen als gute Anker.

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Die wichtigsten unregelmaessigen Verben im passato remoto italiano
I verbi irregolari al passato remoto


Hier liegt die eigentliche Herausforderung des passato remoto italiano. Die regelmaessigen Formen sind lernbar und vorhersehbar. Aber die haeufigsten Verben der italienischen Sprache, also genau die, die man in jedem Roman und jedem Zeitungsartikel antrifft, sind unregelmaessig. Sie bilden den Stamm nicht aus dem Infinitiv, sondern aus einer eigenstaendigen Wurzel.

I verbi irregolari al passato remoto non seguono nessuno schema prevedibile. Bisogna impararli singolarmente. La buona notizia: le persone „regolari“ (tu, noi, voi) si formano quasi sempre con il tema del passato remoto piu‘ le desinenze consuete: -esti, -emmo, -este.

Das gute Muster dahinter: Bei den meisten unregelmaessigen Verben sind die 2. Person Singular, die 1. und 2. Person Plural regelmaessig gebildet. Nur die 1. und 3. Person Singular und die 3. Person Plural weichen ab. Dieses Muster nennt man auf Italienisch die rime strette oder das „1-3-3-Muster“.

essere (sein)

PersonaPassato RemotoDeutsch
iofuiich war
tufostidu warst
lui / leifuer/sie war
noifummowir waren
voifosteihr wart
lorofuronosie waren

avere (haben)

PersonaPassato RemotoDeutsch
ioebbiich hatte
tuavestidu hattest
lui / leiebbeer/sie hatte
noiavemmowir hatten
voiavesteihr hattet
loroebberosie hatten

fare (machen, tun)

PersonaPassato RemotoDeutsch
iofeciich machte
tufacestidu machtest
lui / leifeceer/sie machte
noifacemmowir machten
voifacesteihr machtet
lorofecerosie machten

venire (kommen)

PersonaPassato RemotoDeutsch
iovenniich kam
tuvenistidu kamst
lui / leivenneer/sie kam
noivenimmowir kamen
voivenisteihr kamt
lorovennerosie kamen

stare (sein/bleiben), dare (geben), dire (sagen), sapere (wissen)

Personastaredarediresapere
iostettidiedidissiseppi
tustestidestidicestisapesti
lui / leistettediededisseseppe
noistemmodemmodicemmosapemmo
voistestedestedicestesapeste
lorostetterodiederodisseroseppero

Nota: per dire, la radice irregolare dic- appare nelle persone „interne“ (tu, noi, voi), non nelle persone „forti“ (io, lui/lei, loro). Questo e‘ tipico di molti verbi irregolari al passato remoto: le persone centrali tornano piu‘ vicine all’infinitivo.

Noch zwei sehr haeufige Verben, die in Romanen und Zeitungsartikeln oft auftauchen:

Personavedere (sehen)mettere (legen/stellen)scrivere (schreiben)
iovidimisiscrissi
tuvedestimettestiscrivesti
lui / leividemisescrisse
noivedemmomettemmoscrivemmo
voivedestemettestescriveste
lorovideromiseroscrissero

Das 1-3-3-Muster ist hier gut zu sehen: vidi, vide, videro sind die „starken“ Formen, vedesti, vedemmo, vedeste sind die „schwachen“ oder regelnaeheren Formen. Diese Logik hilft beim Einpraegen: Wenn man vidi kennt, kann man daraus vide und videro ableiten.

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Gebrauch: Wann benutzt man das passato remoto italiano?
Quando si usa il passato remoto italiano?


Die klassische Lehrbuchantwort lautet: Das passato remoto italiano beschreibt Handlungen, die vollstaendig abgeschlossen sind und keinen Bezug zur Gegenwart mehr haben. Im Gegensatz dazu steht das Passato Prossimo, das Handlungen beschreibt, die in irgendeiner Weise noch relevant fuer den gegenwertigen Moment sind, sei es durch ihre Naehe in der Zeit oder durch ihre Auswirkungen auf jetzt.

La distinzione teorica: il passato remoto descrive azioni concluse nel passato senza legame con il presente. Il passato prossimo descrive azioni passate con qualche connessione al momento attuale. In pratica, pero‘, la distinzione dipende fortemente dalla regione geografica e dal registro (scritto vs parlato).

Das klingt klar, ist es aber in der Praxis nicht immer. Denn eine Faustregel, die in Grammatikbuechern gerne gegeben wird („Passato Remoto fuer weit Vergangenes, Passato Prossimo fuer kuerzlich Vergangenes“), stimmt nur fuer einen Teil Italiens. Im Norden des Landes hat das Passato Remoto im gesprochenen Alltag fast keine Rolle mehr. Aber dazu kommt gleich mehr.

Wo das passato remoto klar einzusetzen ist:

KontextBeispiel ITDeutsch
Historische EreignisseGaribaldi unificò l’Italia nel 1861.Garibaldi vereinigte Italien im Jahr 1861.
Literatur und RomaneIl protagonista partì all’alba.Der Protagonist reiste in der Morgendaemmerung ab.
Biographien und ArtikelLo scrittore nacque a Torino nel 1933.Der Schriftsteller wurde 1933 in Turin geboren.
Maerchen und LegendenIl re chiamò i suoi ministri.Der Koenig rief seine Minister zusammen.
Sueditalienischer AlltagIeri andai al mercato.Gestern ging ich zum Markt. (Neapel, Palermo)

Gegenueber dem Imperfetto ist die Abgrenzung des Passato Remoto meistens scharf: Das Imperfetto drueckt Zustaende, Gewohnheiten und hintergrundartige Prozesse aus, waehrend das Passato Remoto einmalige, abgeschlossene Ereignisse in den Vordergrund stellt. In einer Erzählung arbeiten beide oft zusammen:

Quando arrivai alla stazione, pioveva e non c’era nessuno sul marciapiede.

(Als ich am Bahnhof ankam [Passato Remoto: einmaliges Ereignis], regnete es [Imperfetto: Hintergrundszene] und es war niemand auf dem Bahnsteig [Imperfetto: Zustand].)

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Der Nord-Sued-Unterschied beim passato remoto italiano
La divisione geografica: Nord vs Sud


Das ist fuer viele Deutschlernende eine der ueberraschendsten Entdeckungen ueber das Italienische: Dasselbe Ereignis wird in Mailand und in Neapel mit zwei verschiedenen Zeiten erzaehlt. Nicht weil eine Seite falsch liegt, sondern weil sich in den beiden Regionen historisch unterschiedliche Sprachgewohnheiten entwickelt haben.

Il fenomeno della divisione Nord-Sud nell’uso del passato remoto e‘ uno dei punti piu‘ interessanti della sociolinguistica italiana. Non e‘ una questione di correttezza, ma di norma regionale: al Nord si usa quasi esclusivamente il passato prossimo nel parlato, mentre al Sud e in alcune zone del Centro il passato remoto e‘ ancora vitale anche nella conversazione quotidiana.

Konkret gesagt: Eine Mailaenderin, die gestern im Kino war, sagt:

Ieri sono andata al cinema. (Passato Prossimo, Norditalien)

Waehrend ihr neapolitanische Kollegin sagt:

Ieri andai al cinema. (Passato Remoto, Sueditalien)

Beide sind korrekt. Aber wenn man die Grenze ungefaehr bei Rom zieht, tendiert der Norden zum Passato Prossimo fuer alle gesprochene Vergangenheit, und der Suedens behaelt das passato remoto italiano auch im Alltag. In der Toskana und in Mittelitalien gibt es eine Mischzone, und rom selbst zeigt beide Varianten je nach Kontext und Sprecher.

Fuer Lernende hat das praktische Konsequenzen. Wenn du mit Sueditalienern kommunizierst, auf Reisen in Sizilien oder Kalabrien bist, oder wenn du sueditalienische Filme schaust, hoerst du das passato remoto italiano auch in Alltagsgespraechen. Wenn du hingegen auf einen Mailaender Kollegen triffst oder eine norditalienische Serie auf Netflix schaust, wirst du das Passato Prossimo als Standard hoeren. Das passato remoto begegnet dir dann vor allem in schriftlichen Texten.

La spiegazione storica: al Nord, l’italiano standard si e‘ sviluppato in stretto contatto con le lingue locali (lombardo, piemontese, veneto) che avevano gia‘ perso l’uso del passato remoto nel parlato. Al Sud invece, il contatto con le varieta‘ dialettali ha mantenuto vivo il passato remoto come tempo narrativo quotidiano. Nessuna delle due tendenze e‘ piu‘ „italiana“ dell’altra.

Wenn du also Zweifel hast, ob du in einem Text Passato Remoto oder Passato Prossimo benutzen sollst: Im Schreiben nimm das Passato Remoto fuer historische oder klar abgegrenzte Vergangenheit. Im Sprechen folge dem, was dein Gespraechspartner benutzt, oder bleibe beim Passato Prossimo als sicherere Wahl im Norden.

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Hannah und Matteo bereiten sich gemeinsam auf eine Universitaetspruefung zur Geschichte der italienischen Einigung vor. Hannah studiert Romanistik in Berlin, Matteo kommt aus Bari und macht gerade einen Austausch in Deutschland. Sie lesen zusammen einen Auszug aus einem Geschichtsbuch.

Hannah e Matteo stanno preparando insieme un esame universitario sul Risorgimento italiano. Lei studia Romanistica a Berlino, lui viene da Bari ed e‘ in Germania per uno scambio. Stanno leggendo insieme un brano da un libro di storia.

👩🏽 Hannah: Matteo, nel testo c’e‘ scritto: „Nel 1860 Garibaldi sbarcò in Sicilia con i suoi mille soldati e marchò verso nord.“ Non capisco quella forma: sbarcò. E‘ un errore di stampa?

👨🏼 Matteo: No, no, nessun errore! Quello e‘ il passato remoto. „Sbarcò“ viene da „sbarcare“, e significa „sbarcò“ al passato remoto. In italiano, quando parliamo di storia o di eventi lontani nel tempo, usiamo spesso il passato remoto.

👩🏽 Hannah: Ah, capisco. Quindi „sbarcò“ e‘ come il Praeteritum tedesco, vero? Quando in tedesco dico „landete“, uso il Praeteritum. E in italiano si dice „sbarcò“?

👨🏼 Matteo: Sì, il paragone non e‘ perfetto, ma ci siamo vicini. Guarda questo brano: „Garibaldi fu accolto con entusiasmo dalla popolazione. I Borboni fuggirono e lasciarono il campo. Vittorio Emanuele II diventò il primo re d’Italia.“ Tutti questi verbi sono al passato remoto.

👩🏽 Hannah: Interessante. E „fu“? Viene da „essere“?

👨🏼 Matteo: Esatto. „Essere“ al passato remoto fa: fui, fosti, fu, fummo, foste, furono. E‘ uno dei verbi irregolari piu‘ importanti. Lo trovi su ogni pagina di un libro di storia. Anche „venire“ e‘ irregolare: venni, venisti, venne, venimmo, veniste, vennero. Nel testo di prima c’e‘ anche „dissero“ da „dire“. Lo sapevi?

👩🏽 Hannah: Non lo sapevo, ma ora sì! Sento che il passato remoto lo incontro molto spesso nei testi scritti. Quando parlate tra amici, invece, usate il passato remoto o il passato prossimo?

👨🏼 Matteo: Ah, questa e‘ una buona domanda! A Bari, dove sono cresciuto, noi usiamo il passato remoto anche nella conversazione normale. Ieri uscii, ieri andai al mare, ieri parlai con mia madre. E‘ normale da noi. Ma il mio coinquilino di Milano dice sempre: „ieri sono uscito“, „ieri sono andato al bar“. La prima volta che lo sentii, mi suonò strano!

👩🏽 Hannah: Fantastico. Quindi lo stesso evento si racconta in due modi diversi a seconda della regione. L’italiano e‘ davvero complicato!

👨🏼 Matteo: Complicato, sì. Ma quando lo capisci, diventa affascinante. Su Wikipedia tedesco c’e‘ anche un articolo sul Passato remoto che spiega bene la distinzione geografica. Potresti dargli un’occhiata.

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Confronto IT-DE: passato remoto italiano vs. Praeteritum
Confronto con il tedesco


Fuer Deutsche gibt es hier eine interessante Parallele: Das Deutsche kennt dasselbe Phaenomen der zwei Vergangenheitszeiten. Das Praeteritum („ich ging“, „er sagte“, „sie war“) entspricht strukturell dem passato remoto italiano, und das Perfekt („ich bin gegangen“, „er hat gesagt“, „sie ist gewesen“) entspricht dem Passato Prossimo.

Per un tedescofono, la distinzione e‘ riconoscibile: il Praeteritum tedesco svolge una funzione simile al passato remoto nella narrativa scritta, mentre il Perfekt corrisponde al passato prossimo come forma preferita nel parlato del Nord. Ma ci sono differenze importanti.

ItalianoDeutschKontext
Passato RemotoPraeteritumSchriftsprache, Literatur, Geschichte, Sueditalien Alltag
Passato ProssimoPerfektGesprochene Sprache (IT: Norden), Alltag
ImperfettoPraeteritum (Zustandsverben) / PlusquamperfektAndauernde Zustaende, Gewohnheiten in der Vergangenheit

Ein wichtiger Unterschied zum Deutschen: Im Deutschen ist das Praeteritum auch im Norden gebraeulich, zumindest bei bestimmten Verben wie sein, haben, werden und den Modalverben. Auf Deutsch sagt man „ich war“, nicht „ich bin gewesen“, in praktisch allen Regionen. Im Italienischen hingegen ist die regionale Aufspaltung konsequenter: Im Norden hoert man auch bei essere fast immer „sono stato“ statt „fui“.

Eine weitere Parallele: Genau wie das Praeteritum im Deutschen besonders in der geschriebenen Sprache und in literarischen Texten lebt, lebt das passato remoto stark in schriftlichen Registern. Wer eine Zeitung wie den Corriere della Sera liest, findet das passato remoto regelmaessig in politischen und historischen Artikeln.

Esempio concreto: un articolo di giornale che descrive un evento accaduto ieri scrivera‘: „Ieri il premier incontrò il presidente francese.“ (Passato Remoto, registro giornalistico formale). Lo stesso giornalista, raccontando al telefono a un amico, dira‘ probabilmente: „Ieri il premier ha incontrato il presidente francese.“ (Passato Prossimo, parlato).

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Come si usa davvero il passato remoto italiano
Uso reale: Literatur, Presse und gesprochener Alltag


Wenn man sich fragt, wo dem passato remoto italiano am haeufigsten begegnet, dann laesst sich das gut aufzeigen. In der Literatur ist es die Standardform fuer Erzählungen. Fast jeder klassische und moderne Roman verwendet das passato remoto als Grundtempus der Erzählung. Autoren wie Italo Calvino, Elena Ferrante oder Umberto Eco schreiben ihre Geschichten im Passato Remoto, wechseln fuer Hintergrundszenen ins Imperfetto und benutzen das Passato Prossimo nur in Dialogen oder wenn ein Charakter etwas aus seiner unmittelbaren Gegenwart beschreibt.

Nei romanzi italiani, questo e‘ il tempo narrativo principale. Anche negli autori contemporanei come Elena Ferrante (ciclo dell’amica geniale) o Andrea Camilleri (commissario Montalbano), la narrazione avanza al passato remoto. Il lettore tedesco abituato al Praeteritum narrativo si trova in un territorio familiare.

In der Presse gilt eine aehnliche Logik, aber mit Nuancen. Nachrichten, die sich auf historische Kontexte beziehen, werden im Passato Remoto geschrieben. Aktuelle Meldungen, die sich auf den heutigen oder gestrigen Tag beziehen, koennen je nach Zeitung und Stil im Passato Prossimo oder im Passato Remoto stehen. Sueditalienische Zeitungen tendieren staerker zum Passato Remoto, norditalienische Zeitungen zum Passato Prossimo, selbst bei sehr rezentem Geschehen.

Im Fernsehen und in Dokumentarfilmen ueber Geschichte, Wissenschaft oder Biographien hoert man es konsequent. Ein Sprecher, der einen Film ueber die Raumfahrt erzählt, sagt: „Neil Armstrong sbarcò sulla luna nel 1969.“ Nicht: „Neil Armstrong e‘ sbarcato sulla luna nel 1969.“

Fuer Lernende auf B1-Niveau gibt es eine praktische Empfehlung: Das Passato Prossimo reicht fuer die gesprochene Kommunikation in ganz Italien vollstaendig aus. Kein Norditaliener wird dich komisch anschauen, wenn du Passato Prossimo benutzt. Wenn du aber lesen moechtest, also Romane, Zeitungsartikel, historische Texte, musst du das passato remoto italiano erkennen und entschluesseln koennen. Aktiv benutzen musst du es vorerst nur im Schreiben formeller Texte.

Consiglio pratico: per parlare, il passato prossimo e‘ sufficiente in tutto il paese. Per capire i testi scritti, il cinema, la letteratura, e per scrivere testi formali o accademici, il passato remoto diventa necessario. La comprensione viene prima della produzione attiva.

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Quiz: passato remoto italiano
Metti alla prova la tua conoscenza


Teste dein Wissen zum passato remoto italiano mit fuenf Fragen. Lies die Frage, denk nach, und schau dann die Antwort an.

Cinque domande per verificare la comprensione di questo tempo verbale. Rispondi, poi controlla.


Frage 1: Wie lautet die 3. Person Singular von parlare im Passato Remoto?

a) parlò   b) parlava   c) parlato   d) parla

Antwort: a) parlò. Die Endung -o‘ mit Akzent ist das Kennzeichen der 3. Person Singular bei -are-Verben im Passato Remoto.


Frage 2: Welche Form ist das Passato Remoto von essere fuer „noi“?

a) eravamo   b) siamo stati   c) fummo   d) foste

Antwort: c) fummo. Essere ist eines der meistgenutzten unregelmaessigen Verben: fui, fosti, fu, fummo, foste, furono.


Frage 3: Hannah _________ il libro in tre giorni. Welche Form von leggere (lesen) passt im Passato Remoto?

a) leggeva   b) lesse   c) ha letto   d) leggerà

Antwort: b) lesse. Leggere bildet das Passato Remoto unregelmaessig: lessi, leggesti, lesse, leggemmo, leggeste, lessero.


Frage 4: In welcher Region Italiens wird das Passato Remoto auch im Alltag gesprochen?

a) Nur in der Toskana   b) Vor allem im Sueden (Neapel, Sizilien, Kalabrien)   c) Vor allem im Norden (Mailand, Turin)   d) Ueberall gleich

Antwort: b). Im Sueden und in Teilen Mittelitaliens bleibt das passato remoto im gesprochenen Alltag lebendig. Im Norden verwendet man fast ausschliesslich das Passato Prossimo.


Frage 5: Welches Hilfsverb braucht man, um das Passato Remoto zu bilden?

a) avere im Presente   b) essere im Passato   c) Kein Hilfsverb, es ist eine synthetische Form   d) fare im Presente

Antwort: c). Das ist ein Vorteil des Passato Remoto gegenueber dem Passato Prossimo: Es wird direkt aus dem Stamm gebildet, ohne Hilfsverb. Alles in einem Wort.

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Hausaufgabe
Compiti per casa


Schreib einen kurzen Text (6 bis 8 Saetze) auf Italienisch zu einem dieser zwei Szenarien. Benutze mindestens vier verschiedene Verben im Passato Remoto, davon mindestens zwei unregelmaessige. Setze auch das Imperfetto ein, wo es passt (Hintergruende, Zustaende).

Szenario A: Erzähle einen historischen Moment aus der europaeischen Geschichte in einfachem Italienisch. Das kann die Errichtung der Berliner Mauer sein, der erste Mondflug, oder ein anderes Ereignis, das du kennst. Benutze das Passato Remoto fuer die Handlungen und das Imperfetto fuer Zustaende und Hintergrundgeschehen.

Szenario B: Schreib ueber eine Reise, die du oder jemand in deiner Familie einmal unternommen hat. Wohin? Was ist passiert? Wen hast du getroffen? Was hast du gesehen? Erzaehl im Passato Remoto, als ob du einen Roman schreibst, nicht als ob du jemandem am Telefon davon berichtest.

Scrivi un breve testo (6-8 frasi) in italiano su uno di questi due scenari. Usa almeno quattro verbi al passato remoto, di cui almeno due irregolari, e integra l’imperfetto dove necessario per lo sfondo e gli stati.

Scenario A: Racconta un momento storico in italiano semplice (la caduta del Muro di Berlino, il primo sbarco sulla luna, ecc.). Usa il passato remoto per le azioni e l’imperfetto per gli stati e i processi in corso.

Scenario B: Racconta un viaggio che hai fatto tu o qualcuno della tua famiglia. Dove? Cosa e‘ successo? Chi hai incontrato? Scrivi come se stessi narrando un romanzo.

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Zusammenfassung: Das passato remoto italiano auf einen Blick
Riassunto


Hier noch einmal die wichtigsten Punkte zum passato remoto auf einen Blick:

  • Bildung regelmaessig: Stamm + Endungen. -ARE: parlai, parlasti, parlò, parlammo, parlaste, parlarono. -ERE: credei/credetti, credesti, crede’/credette, credemmo, credeste, crederono/credettero. -IRE: partii, partisti, partì, partimmo, partiste, partirono.
  • Kein Hilfsverb: Das ist ein Vorteil dieses Tempus gegenueber dem Passato Prossimo. Alles in einem Wort, kein essere oder avere noetig.
  • Wichtige Unregelmaeßige: essere (fui/fosti/fu/fummo/foste/furono), avere (ebbi/avesti/ebbe/avemmo/aveste/ebbero), fare (feci/facesti/fece…), venire (venni/venisti/venne…), stare (stetti/stesti/stette…), dare (diedi/desti/diede…), dire (dissi/dicesti/disse…), sapere (seppi/sapesti/seppe…).
  • 1-3-3-Muster: Bei den meisten unregelmaessigen Verben sind io, lui/lei und loro die „starken“ Formen, die anderen drei Personen bleiben stabiler.
  • Gebrauch: Abgeschlossene Vergangenheit ohne Gegenwartsbezug. Vor allem in Literatur, Presse (formell), Geschichte, Biographien. Im Sueden auch im Alltag.
  • Nord-Sued-Grenze: Im Norden (Mailand, Turin, Venedig) nimmt man das Passato Prossimo. Im Sueden (Neapel, Bari, Palermo) bleibt das passato remoto im gesprochenen Alltag lebendig.
  • Deutsch-Vergleich: Das passato remoto entspricht funktional dem deutschen Praeteritum. Das Passato Prossimo entspricht dem deutschen Perfekt. Genau wie im Deutschen: Praeteritum fuer schriftliche Erzählung, Perfekt fuer gesprochene Kommunikation.

Riassunto in italiano: il passato remoto descrive azioni passate e concluse senza legame con il presente. Si forma direttamente dalla radice, senza ausiliare. I verbi irregolari piu‘ importanti sono essere, avere, fare, venire, stare, dare, dire, sapere. Al Nord si usa soprattutto nello scritto formale; al Sud e‘ ancora vivo nel parlato quotidiano.

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Wie bildet man das passato remoto italiano bei regelmaessigen Verben?

Man nimmt den Infinitiv-Stamm (also den Infinitiv ohne -are, -ere oder -ire) und fuegt die Personalendungen direkt an. Fuer -are-Verben: -ai, -asti, -o‘, -ammo, -aste, -arono (parlai, parlasti, parlo‘, parlammo, parlaste, parlarono). Fuer -ere-Verben gibt es zwei Varianten: -ei oder -etti, -esti, -e‘ oder -ette, -emmo, -este, -erono oder -ettero. Fuer -ire-Verben: -ii, -isti, -i‘, -immo, -iste, -irono. Kein Hilfsverb wird benoetigt.

Was ist der Unterschied zwischen passato remoto und passato prossimo?

Das passato remoto italiano beschreibt Handlungen, die vollstaendig abgeschlossen sind und keinen Bezug zur Gegenwart haben. Das passato prossimo beschreibt Handlungen, die noch einen Gegenwartsbezug haben oder zeitlich nahe am Sprechmoment liegen. In der Praxis haengt die Wahl stark von der Region ab: Im Norden Italiens wird im Alltag fast ausschliesslich das passato prossimo benutzt, im Sueden und in formellen Schrifttexten hingegen das passato remoto italiano. Fuer weitere Details zum Passato Prossimo: /ger/passato-prossimo-bildung-und-anwendung/

Welche Verben sind im passato remoto italiano unregelmaessig?

Die haeufigsten unregelmaessigen Verben sind: essere (fui, fosti, fu, fummo, foste, furono), avere (ebbi, avesti, ebbe, avemmo, aveste, ebbero), fare (feci, facesti, fece, facemmo, faceste, fecero), venire (venni, venisti, venne, venimmo, veniste, vennero), stare (stetti, stesti, stette, stemmo, steste, stettero), dare (diedi, desti, diede, demmo, deste, diedero), dire (dissi, dicesti, disse, dicemmo, diceste, dissero), sapere (seppi, sapesti, seppe, sapemmo, sapeste, seppero). Ein hilfreiches Muster: die Personen tu, noi, voi sind bei den meisten unregelmaessigen Verben stabiler als io, lui/lei und loro.

Warum benutzen Sueditaliener das passato remoto auch im Alltag?

Das ist ein soziolinguistisches Phaenomen: Im Sueden Italiens (Neapel, Sizilien, Kalabrien, Bari) hat das passato remoto italiano seinen Platz im gesprochenen Alltag behalten, weil die regionalen Dialekte und die Geschichte des Sprachkontakts eine andere Entwicklung genommen haben als im Norden. Im Norden (Mailand, Turin, Venedig) hat sich das Passato Prossimo als alltagssprachliche Vergangenheitsform durchgesetzt. Beide Varianten sind grammatikalisch korrekt und gelten als Standard-Italienisch. Fuer Lernende gilt: Im Sprechen kann man ueberall mit dem Passato Prossimo auskommen.

Muss man das passato remoto italiano als Lernender aktiv benutzen?

Auf B1-Niveau sollte man das passato remoto italiano vor allem rezeptiv beherrschen, also in Texten erkennen und verstehen. Aktiv einsetzen muss man es beim Schreiben formeller oder literarischer Texte und beim Reisen oder Kommunizieren in sueditalienischen Regionen. Im gesprochenen Alltag ist das Passato Prossimo die sicherere Wahl fuer Lernende, besonders im Norden Italiens. Fuer das Imperfetto und seinen Zusammenhang mit dem passato remoto: /ger/imperfetto-italienisch/

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